Dem Süß gehört meine Liebe; mit meinem Backofen bin ich quasi verheiratet. Für das Sister Magazine – ein freies Online-Projekt zweier Schwestern – habe ich meine Kuchenzuneigung einst vertextet.

Auf meinem Blog wird zudem (fast) jeden Sonntag gesüßt.

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Küchenpoesie

Clementinenkuchen mit Puderzuckergitter, Honig-Vanille-Tropfen und Sahneschneehaube

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Der Winter ist mein Freund. Gut, eigentlich mag ich sie alle: das Aufblühen des Frühlings, die Farbenpracht des Sommers und den Übergang, der im Herbst mitschwingt. Aber am liebsten ist mir die Stille des Winters. Wie ein großes Meer schwimmt der Winter in die Welt. Reinheit, Weite. Ausbremsen. Loslassen – Blätter wehen fort. Was bleibt, geht. Der Winter gibt die Sicht frei und hinterlässt eine Farbenstimmung zwischen Grau und Blau. Ein wunderbares Graublau. Ich finde den Winter nicht trist, ich finde ihn erfrischend. Und: Der Winter vermag die Freude zu schüren auf das Leben, wie eine zarte Pause zum Luftholen. Das Atmen im Konzert, bevor alles erklingt.

Im Winter verlagert sich das Sein von Draußen nach Drinnen. Es gibt selten Schöneres als von Drinnen nach Draußen zu schauen. Am Fenster zu stehen, den Himmelsschleier zu sehen. Mal kommt nichts, mal kommt Regen, mal kommt Schnee. Das Licht ist zart und ein wenig trübe. Es verzieht sich schneller als sonst. Es scheint wie aquarelliert. Selten ganz klar, immer ein wenig verwaschen, verwunschen. Und in dieses Licht platzt ein Orange. Platzen satte energiegeladene Früchte im feinporigen Kleid: die Clementinen. Sie sind die Sonne im Winter. Der Schub, der Glanz, der Glamour. Sie sind mein Winter – und dazu die Ausgeglichenheit. Ihr Spiel aus Säure und Süße ein Fingerzeig. Die Balance, die es im Winter nicht zu verlieren gilt. 

Das Rezept für diesen Kuchen schlich sich vor ein paar Jahren (Nigella Lawson sei Dank) in meinen Winter. Füllte Bauch und Herz. Kam immer wieder und gewann. Wurde einfach MEIN Winter. Mich faszinierte die Art der Zubereitung: Der Kuchen besteht aus wenigen Zutaten. Die Hauptakteure sind eindeutig die Clementinen, die im Ganzen mit Haut und Haar quasi im Kuchen verschwinden. Sie werden gekocht – so weich bis sie fast buttrig zerfallen. Dieser Vorgang dauert zwei Stunden – und diese zwei Stunden sind mit das Schönste am Kuchen. Eine Art Genusseinstimmung, ein sanftes Einnebeln. Der sehr eigenwillige Geruch, der sich beim Kochen entwickelt, erzeugt gleichzeitig eine sehr wohlige Wärme und ein Gefühl, dass mitten im Winter, in dieser winterlichen Ruhe, etwas brodelt. Irgendwann nämlich platzen die Schalen – und dann ist es soweit. Dann folgt auf das Zusehen, das Zupacken. Dann wird aus den Clementinen Mus. 

Doch bevor das passiert, gehe ich einen Schritt zurück: Am Anfang sind die Clementinen. Etwa 6-8 je nach Größe und in ihrer Gesamtheit 375 Gramm. Wichtig ist, dass ihre Schale nicht behandelt wurde, da diese mitverzehrt wird. Ich nehme dementsprechend kernlose! Bio-Clementinen. Die Clementinen verfrachte ich in eine Kasserolle und bedecke sie mit Wasser. Anschließend bringe ich sie zum Kochen und lasse sie etwa zwei Stunden simmern. Ein Blick zwischendurch ist wichtig, falls das Wasser einmal versiegt. Dann unbedingt etwas Flüssigkeit nachgießen, damit die Clementinen nicht anbrennen. Wenn die Schale aufplatzt und die Früchte auf Fingerdruck sehr weich sind, ist alles richtig. Nun die Clementinen aus dem Nass heben (falls noch welches übrig ist) und mit dem Pürierstab oder im >Food Prozessor< zu einem Brei pulsieren. 

Ist das passiert, gesellen sich sechs Eier, 200 Gramm feiner Zucker und 250 Gramm gemahlene Mandeln (ohne Schale, denn hell soll der Teig bleiben) hinzu und werden mit dem Handmixer vermischt. Außerdem noch ein gehäufter Teelöffel Backpulver – das war\\\'s. Eine homogene Masse in zartem Orange wurde herangezüchtet und die fühlt sich wohl in einer gebutterten 26er-Springform. Die wiederum verschwindet im vorgeheizten Ofen bei 180 Grad für – tja, das ist ein wenig ofenabhängig – 30 bis 40 Minuten. Mein Kuchen erreicht die perfekte Konsistenz nach 35 Minuten. An den Rändern satt gebräunt, die Decke ebenmäßig (so als hätte eine gute Sonnencreme den Brand verhindert), das Innere saftig, aber nicht klebrig. Die Stäbchenprobe gibt den Ton an. Allein die Dauer erfordert also ein wenig Fingerspitzengefühl – ihr kennt euren Ofen am besten!

Auskühlen lassen, ein wenig warten, aus der Form lösen und nochmals warten, bis der Kuchen vollständig heruntergekühlt ist. Ist ja schließlich Winter. In der Zwischenzeit aus ein paar Tropfen Clementinensaft und jeder Menge Puderzucker eine gut deckende Mehr-als-Glasur – fast schon Paste – zusammenrühren. In Bahnen ein Muster ziehen, das aussieht wie Schnee, der auf Ästen sitzt. Zudem habe ich zwei Esslöffel Honig und Vanillepulver erhitzt und als Paar auf das Puderzuckergitter geträufelt. Ich serviere den Clementinenkuchen übrigens noch mit einer dicken Schneewolke >on top<. Die Sanftheit der geschlagenen Sahne federt die leichte Bitterkeit des Kuchens perfekt ab. Sie ist die winterliche Haube, die warme Wellen am Gaumen schlägt. Die Vollkommenheit. Sie unterstützt die innere Saftigkeit und macht gleichzeitig alles etwas milder. Das Leben, die Stimmung, den Winter. Die Sahne lockt das, was bald erblüht, das Köpfchen reckt sich schon im welligen Grund. Der Frühling im Winter, der Winter im Frühling, kein Frühling ohne Winter. Ich mag sie einfach alle – wenn sie auch so gut schmecken.

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Dem Süß gehört meine Liebe; mit meinem Backofen bin ich quasi verheiratet. Für das Sister Magazine – ein freies Online-Projekt zweier Schwestern – habe ich meine Kuchenzuneigung einst vertextet.

Auf meinem Blog wird zudem (fast) jeden Sonntag gesüßt.

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Küchenpoesie

Clementinenkuchen mit Puderzuckergitter, Honig-Vanille-Tropfen und Sahneschneehaube

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Der Winter ist mein Freund. Gut, eigentlich mag ich sie alle: das Aufblühen des Frühlings, die Farbenpracht des Sommers und den Übergang, der im Herbst mitschwingt. Aber am liebsten ist mir die Stille des Winters. Wie ein großes Meer schwimmt der Winter in die Welt. Reinheit, Weite. Ausbremsen. Loslassen – Blätter wehen fort. Was bleibt, geht. Der Winter gibt die Sicht frei und hinterlässt eine Farbenstimmung zwischen Grau und Blau. Ein wunderbares Graublau. Ich finde den Winter nicht trist, ich finde ihn erfrischend. Und: Der Winter vermag die Freude zu schüren auf das Leben, wie eine zarte Pause zum Luftholen. Das Atmen im Konzert, bevor alles erklingt.

Im Winter verlagert sich das Sein von Draußen nach Drinnen. Es gibt selten Schöneres als von Drinnen nach Draußen zu schauen. Am Fenster zu stehen, den Himmelsschleier zu sehen. Mal kommt nichts, mal kommt Regen, mal kommt Schnee. Das Licht ist zart und ein wenig trübe. Es verzieht sich schneller als sonst. Es scheint wie aquarelliert. Selten ganz klar, immer ein wenig verwaschen, verwunschen. Und in dieses Licht platzt ein Orange. Platzen satte energiegeladene Früchte im feinporigen Kleid: die Clementinen. Sie sind die Sonne im Winter. Der Schub, der Glanz, der Glamour. Sie sind mein Winter – und dazu die Ausgeglichenheit. Ihr Spiel aus Säure und Süße ein Fingerzeig. Die Balance, die es im Winter nicht zu verlieren gilt. 

Das Rezept für diesen Kuchen schlich sich vor ein paar Jahren (Nigella Lawson sei Dank) in meinen Winter. Füllte Bauch und Herz. Kam immer wieder und gewann. Wurde einfach MEIN Winter. Mich faszinierte die Art der Zubereitung: Der Kuchen besteht aus wenigen Zutaten. Die Hauptakteure sind eindeutig die Clementinen, die im Ganzen mit Haut und Haar quasi im Kuchen verschwinden. Sie werden gekocht – so weich bis sie fast buttrig zerfallen. Dieser Vorgang dauert zwei Stunden – und diese zwei Stunden sind mit das Schönste am Kuchen. Eine Art Genusseinstimmung, ein sanftes Einnebeln. Der sehr eigenwillige Geruch, der sich beim Kochen entwickelt, erzeugt gleichzeitig eine sehr wohlige Wärme und ein Gefühl, dass mitten im Winter, in dieser winterlichen Ruhe, etwas brodelt. Irgendwann nämlich platzen die Schalen – und dann ist es soweit. Dann folgt auf das Zusehen, das Zupacken. Dann wird aus den Clementinen Mus. 

Doch bevor das passiert, gehe ich einen Schritt zurück: Am Anfang sind die Clementinen. Etwa 6-8 je nach Größe und in ihrer Gesamtheit 375 Gramm. Wichtig ist, dass ihre Schale nicht behandelt wurde, da diese mitverzehrt wird. Ich nehme dementsprechend kernlose! Bio-Clementinen. Die Clementinen verfrachte ich in eine Kasserolle und bedecke sie mit Wasser. Anschließend bringe ich sie zum Kochen und lasse sie etwa zwei Stunden simmern. Ein Blick zwischendurch ist wichtig, falls das Wasser einmal versiegt. Dann unbedingt etwas Flüssigkeit nachgießen, damit die Clementinen nicht anbrennen. Wenn die Schale aufplatzt und die Früchte auf Fingerdruck sehr weich sind, ist alles richtig. Nun die Clementinen aus dem Nass heben (falls noch welches übrig ist) und mit dem Pürierstab oder im >Food Prozessor< zu einem Brei pulsieren. 

Ist das passiert, gesellen sich sechs Eier, 200 Gramm feiner Zucker und 250 Gramm gemahlene Mandeln (ohne Schale, denn hell soll der Teig bleiben) hinzu und werden mit dem Handmixer vermischt. Außerdem noch ein gehäufter Teelöffel Backpulver – das war\\\'s. Eine homogene Masse in zartem Orange wurde herangezüchtet und die fühlt sich wohl in einer gebutterten 26er-Springform. Die wiederum verschwindet im vorgeheizten Ofen bei 180 Grad für – tja, das ist ein wenig ofenabhängig – 30 bis 40 Minuten. Mein Kuchen erreicht die perfekte Konsistenz nach 35 Minuten. An den Rändern satt gebräunt, die Decke ebenmäßig (so als hätte eine gute Sonnencreme den Brand verhindert), das Innere saftig, aber nicht klebrig. Die Stäbchenprobe gibt den Ton an. Allein die Dauer erfordert also ein wenig Fingerspitzengefühl – ihr kennt euren Ofen am besten!

Auskühlen lassen, ein wenig warten, aus der Form lösen und nochmals warten, bis der Kuchen vollständig heruntergekühlt ist. Ist ja schließlich Winter. In der Zwischenzeit aus ein paar Tropfen Clementinensaft und jeder Menge Puderzucker eine gut deckende Mehr-als-Glasur – fast schon Paste – zusammenrühren. In Bahnen ein Muster ziehen, das aussieht wie Schnee, der auf Ästen sitzt. Zudem habe ich zwei Esslöffel Honig und Vanillepulver erhitzt und als Paar auf das Puderzuckergitter geträufelt. Ich serviere den Clementinenkuchen übrigens noch mit einer dicken Schneewolke >on top<. Die Sanftheit der geschlagenen Sahne federt die leichte Bitterkeit des Kuchens perfekt ab. Sie ist die winterliche Haube, die warme Wellen am Gaumen schlägt. Die Vollkommenheit. Sie unterstützt die innere Saftigkeit und macht gleichzeitig alles etwas milder. Das Leben, die Stimmung, den Winter. Die Sahne lockt das, was bald erblüht, das Köpfchen reckt sich schon im welligen Grund. Der Frühling im Winter, der Winter im Frühling, kein Frühling ohne Winter. Ich mag sie einfach alle – wenn sie auch so gut schmecken.

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